Buchrezension „Der Hooligan“
TEIL A:
Allgemein:
Der „Hooligan“ heißt mit bürgerlichem Namen Jan Günther und wurde 1970 in Ostberlin geboren. Die Erzählung beginnt als Jan kurz vor seinem 15. Geburtstag von Stasi besucht wurde.
Punkerleben, BFC und Begegnungen mit der Stasi
Bis dato traf sich Jan häufiger mit Kumpels auf dem Alex. Er war Punker und rebellierte gegen das System. Seine größte Leidenschaft war der BFC (Dynamo – Fußballclub – am Prenzlberg). Dort fand er relativ schnell Anschluss. Alkohol und Schlägereien gehörten hier zum Alltag und das auf sehr brutale Weise. (Seite 56-62)Allerdings kam er immer mit einem blauen Auge davon, bis…… die Stasi ihn verdächtigte, ein staatsfeindliches Grafitti irgendwohin gesprühtt zu haben. Sein Zimmer wurde durchwühlt und dabei fanden sie jede Menge Honecker-Karrikaturen, die Jan anfertigte. Er wurde verhaftet und bekam zum ersten Mal die volle Härte des Systems zu spüren. Jeden Tag gab es Verhöre. Nur einmal am Tag wurde er zu einem einstündigen Rundgang entlassen. Schließlich wurde er zu einem Jahr Gefängnis verurteilt – ohne Anwalt.
Jugendhaus Dessau
Nach zwei Monaten Haft wurde er in das Jugendhaus Dessau verlegt, wo er viel Grausamkeit durch Wärter und Mitgefangene erlebte. Es war eine Mischung aus Umerziehungs- und Arbeitslager. Hier lernte er einmal mehr, dass er durch Gewalt sich Respekt verschaffen konnte. Den Leitsatz des Jugendhauses spürte er mehrfach am eigenen Laib:„Was du nicht weißt, lernst du. Wenn du lernst, helfen wir dir. Wenn du nicht willst, zwingen wir dich.“ Oft war er Willkür der Wärter ausgeliefert, die ihn schlugen und demütigten.Nach zwölf Monaten Haft wurde er wieder nach Berlin zurückgeschickt und dort entlassen.
Zurück als Hooligan und Eintritt in die Skinhead-Szene
Nach seiner Knastzeit verabschiedet sich Jan komplett von seiner Familie und kommt nach eigenen Worten in einen regelrechten „Blutrausch“, so dass selbst enge Freunde sagen, Jan hätte sich sehr verändert, seit er auf dem Knast raus ist (S.127 – 129).Er verabschiedete sich von seinem Punkerdasein, weil es in der Zwischenzeit „in“ war mit bunten Haaren herumzulaufen. Kurz: das Punk-Sein ist salonfähig geworden. Gemeinsam mit seinen BFC-Freunden schloss er sich der Skinhead-Szene an. Jan ließ sich die Haare rasieren.
Sehnsucht nach dem Westen
Jans größter Wunsch war es in den Westen zu fliehen. Die Sehnsucht nach Freiheit war in ihm sehr groß. 1989 unternahm er mit einem Freund einen Fluchtversuch über Ungarn. Beide wurden allerdings vor der österreichischen Grenze geschnappt. Trotz Bestechungsversuche bei den Grenzern landete Jan wieder im Knast – genauer gesagt in den Stasi-Knast in Hohenschönhausen, der selbst DDR-Bürgern geheim gehalten wurde. Die Verhöre dort waren regelrechter Psychoterror. Zwar bekam er gutes Essen und die Zelle war auch in Ordnung, aber er wurde völlig isoliert, bekam nie einen anderen Menschen zu sehen, als den Offizier, der ihn verhörte. Jeden Tag um die gleiche Uhrzeit bekam er immer wieder dieselben Fragen gestellt (drei Stunden lang): Kindheit, Elternhaus, seine Vergehen…
Die Wende
Mitten in dieser Zeit begann es auf ostdeutschen Straßen zu rumoren: die Gesellschaft probte den Aufstand und Jan wurde eines Tages ohne Kommentar einfach auf die Straße gesetzt. Dann kam die Meldung über die freie Ausreise von Prag und Warschau in die BRD. Mit einem anderen Freund brach Jan erneut auf, in den Westen zu kommen. Über Tschechien gelang es ihm noch vor der Maueröffnung nach Westberlin zu gelangen. Der Tag des Mauerfalls war für ihn ein schreckliches Ereignis, weil plötzlich alle rüber konnten und er dafür so viel Leid auf sich genommen hat.
Der alte Jan
Auch nach dem Mauerfall blieb Jan ganz der alte. Schlägereien, Alkohol und Drogen gehörten nach wie vor zu seinem Alltag. Er hatte auch eine Freundin, Kathrin, die jahrelang zu ihm hielt. Er steckte tief in der rechten Szene, hörte deren Lieder und vertrat deren Werte. Aber nicht, weil er wirklich an die Ideologie glaubte, sondern weil er vielmehr anders sein wollte als alle anderen, provozierend eben.
Horst
Auf seiner Arbeitsstelle als Dachdecker lernte er Horst kennen, einen Christen. Obwohl Welten zwischen beiden lagen, faszinierte Jan irgendwie die Art und Weise wie Horst war. Vor allem, dass er Probleme, Kritik und verbale Angriffe auf die eigene Person nicht mit Gewalt sondern auf ganz andere Art löste. Horst verließ nach einiger Zeit diese Firma und schenkte Jan zum Abschied eine Bibel, die dieser allerdings nie anrührte.
Eskalation der Gewalt
Die Auseinandersetzungen zwischen rivalisierenden Hooligans wurden nicht mehr wie früher hauptsächlich mit Fäusten ausgetragen. Zunehmend kamen Waffen ins Spiel. Es war immer ein Spiel zwischen Leben und Tod. In einer Szene hält Jan seinen sterbenden Freund in den Armen, der von anderen Hools tot getrampelt wurde. An Jans Leben änderte sich allerdings wenig. Auf einer Party mixten ihm Freunde einen Drogencocktail zusammen, der ihn so abgeschossen hat, dass er von einem Haftrichter für 6 Wochen in eine geschlossene Psychatrie eingeliefert wurde. Jan war gerade mal 23 Jahre alt.
Fußball-Grotte und die Hell´s Angels
Da er seinen Job als Dachdecker verloren hatte, begann er mit einigen Kumpels, die alle in der Neonazi-Szene waren eine Kneipe zu gründen. Rocky, ein alter Bekannter aus Ostzeiten tauchte plötzlich wieder in Jans Leben auf. Er war ein hohes Tier bei den „Hell´s Angels“. Er kaufte sich in die Kneipe ein und nutze die Kneipe als Umschlagplatz für Drogen und allerlei mafiöse Geschäfte.
Patrick
Jans Leben in der „Fußball-Grotte“ gefiel ihm. Er hatte ein gutes Einkommen, jede Menge Alkohol und viele Freunde. Patrick, ein Freund aus Hooligan-Zeiten kam jede Woche in die Kneipe. Patrick hatte sich in den letzten Jahren sehr verändert: er hat geheiratet, einen Job und auch sein Wesen hat sich sehr verändert. Eines Tages schenkt Patrick Jan eine alte verstaubte Lutherbibel. Jan fragt ihn, warum er die gerade ihm geschenkt hat und dieser meint: „Du wirst morgens gegen vier immer so religiös. Wenn du besoffen bist, faselst du immer etwas von Gott und so.“
Rockertreffen
Dort lernt Jan einige Christen aus dem Clan „Tribe of Judah“ kennen. Sie haben auch ein Zelt aufgebaut und quatschen mit den Rockern über Gott. Jan ist beeindruckt, dass es Menschen gibt, die in der Bibel lesen und nicht über 80 Jahre alt sind. Er spürt das gleiche Hingezogensein wie bei Horst. Die Rocker erzählen ihm ihre Lebensgeschichte und wie Jesus ihr Leben persönlich verändert hat. Und sie beten für ihn und schenken ihm eine Bikerbibel.
Krankenschein und Therapie
Die Situation in der Kneipe wird immer schwieriger. Immer mehr Probleme tauchen auf, auch finanzieller Art. Jan hatte eine Idee wie er den Staat bescheißen wollte: Wenn er sich ein Jahr krankschreiben lassen würde, würde er danach 5 Jahre Krankengeld bekommen (traumhafte Zustände damals J). So ging er dutzende Male zum Arzt und spielte einen manisch-depressiven Patienten, über dessen Krankheitsbild er sich vorher gut erkundigt hatte. Schließlich meldete ihn der Arzt zu einer Therapie an.
Die Suche nach Gott
Neben seinen ganzen Nazi-CD´s hatte Jan auch die Biker-Bibel mit dabei, in der er immer wieder las. Schließlich sagte er sich, dass wenn es einen Gott gäbe, er diesen bestimmt in einer Kirche antreffen würde. So ging er in einen Gottesdienst, der ihn aber sehr enttäuschte, weil dort eine totale „Kälte“ herrschte. Nach drei Wochen Kur machte Jan einen Spaziergang, bei dem er sich entschloss Gott zu suchen. Während er lief, betete er: „Hör mal zu Jesus, wenn es dich gibt, dann will ich dir heute die Chance geben, dich mir vorzustellen. Und zwar sollst du mir als Mensch erscheinen und dich mit mir unterhalten.“
Ab hier (S.271) würde ich dir empfehlen, die letzten Seiten des Buches noch zu lesen! Lesezeit: ca. 20 min
TEIL B
Was mir das Buch gezeigt hat:
- Jan war ein Mensch, der immer in den Extremen lebte. Entweder ganz oder gar nicht.
- Interessant ist, dass Jan Jesus nicht bei einer bestimmten Begegnung kennen gelernt hat, sondern es gab immer wieder Stationen in seinem Leben, in denen Gott „angeklopft“ hat: Horst, Patrick, die Rocker auf dem Zeltlager,…
- Jede Situation nutz Gott, auch wenn sie noch so belanglos erscheint! Alle Ereignisse zusammen genommen waren letztlich auch für Jan der Weg zu Gott.
- Das Beispiel Jan zeigt am Ende des Buches deutlich, dass die Hinwendung zu Jesus und die Erfahrung, die er mit Gott macht nicht das Ende des Weges sind. Ein Herrschaftswechsel bedeutet, dass Jesus in alle Bereiche des Lebens hinein kommen will. Jan glaubte zunächst, er könne sein Leben fast wie zuvor weiterführen.
Filed under: Berlin, Bücher, Kirche | 3 Comments
Ich habe das Buch der Hooligan mit Freude gelesen. Ich freue mich für Jan, dass er mit Gott die Wende in seinen Leben geschafft hat. Was mir in dem Buch gefehlt hat, ist: Es hätten mehr Bibeltexte drin stehen können die den Weg zur Freiheit zeigen und die schlimmen Sachen von Jan nicht rechtfertigen.
Gerne hätte ich mit den Jan Kontakt aufgenommen. Leider bleibt er anonym. Der Name ist im Buch leider geändert.
Das Buch ist echt Lesenswert, da es die Erfahrungen mit Gott ebenso zeigt, wie die Erfahrungen ohne Gott. Wie gesagt, leider fehlen die Bibeltexte.
Herzliche Grüße vom Andreas.
Hallo löchel!
Vielen Dank für die positive Rückmeldung. Ja, Bibelstellen scheint nicht seine Stärke zu sein. Aber wie du sagst, trotzdem lesenswert.
Hallo Jochen, Jan zeigt im zweiten Teil des Buches, dass er in der Bibel liest. Schön auch, dass er das Gebet zu Gott erwähnt. Ich habe das Buch übrigens bei Pro Christ gekauft, wo ein ehemaliger Hooligan Zeugnis gab. Ich war ganz hin und weg.
Toll wie gesagt wäre gewesen, wenn man nicht nur auf die Bibel hinweist, sondern auch auf das, was man da gelesen hat.